Leitbild und Entwicklung:

Open Factory

Unter dem Leitbild ›Open Factory‹ entwickeln wir den Standort Eiermannbau in Apolda zu einem Ort für Viele und Vieles. Das ehemalige Feuerlöschgerätewerk Apolda, 1939 weitergebaut durch den Architekten Egon Eiermann, soll durch eine innovative Nachnutzung und Neudeutung ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt werden. Das Gebäude ist eine Ikone der Industriemoderne und dem Stil des Neuen Bauens verpflichtet. Als Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen soll sich die ›Open Factory‹ als neuartiger Arbeits- und Kreativort mit Werkstätten, Ateliers, Büros, Unternehmen und (produktive) Freiflächen in der Stadt Apolda entwickeln und die Potentiale der Kreisstadt des Weimarer Landes stärken und über die Stadt Apolda hinaus für die Impulsregion Erfurt-Weimar-Jena-Weimarer Land und das StadtLand Thüringen insgesamt einen Mehrwert erzeugen.

Leitbild und Aktivierung als IBA Projekt

Seit 2016 engagiert sich die IBA Thüringen für den Standort mit dem zwei Hektar großen Grundstück und zwei Bestandsgebäuden mit rund 7.500 Quadratmetern BGF. Um den Industriebau, in dem Ende der 1980er Jahre rund 700 Mitarbeiter im Feuerlöschgerätewerk Apolda arbeiteten, wieder in eine aktiv genutzte Zukunft samt Neudeutung zu führen, übernahm die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen für das Projekt selbst die Trägerschaft. Ein unüblicher und bisher einmaliger Schritt für eine Bauausstellung. Wichtiger erster Entwicklungsschritt war dabei die Leitbildentwicklung als Open Factory, die im IBA Campus 2016 gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung stattfand. Im Anschluss wurde ein Finanzierungs- und Betreiberkonzept für die Open Factory durch die IBA Thüringen erarbeitet. Auf dessen Grundlage erwarb die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen im Dezember 2017 die Immobilie von dem bisherigen Eigentümer, der Gesellschaft für Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (GESA). Die beiden Landesgesellschaften IBA Thüringen und LEG Thüringen arbeiten am Standort Eiermannbau mit der Form der Anhandgabe. Bis 2023, dem IBA Finaljahr, ist die IBA Thüringen als Generalmieterin und Entwicklerin der Immobilie verantwortlich für die bauliche Entwicklung, Vermarktung und Vermietung – die LEG Thüringen verhält sich als ‚stille’ Eigentümerin, sämtliche Entwicklungsschritte werden abgestimmt. Diese Form der Zusammenarbeit ist modellhaft und soll eine nachhaltige Entwicklung des lange leerstehenden Denkmals befördern.

IBA Thüringen zieht als erste Nutzerin in den Eiermannbau Apolda

Nach einer ersten Zwischennutzung des Gebäudes 2017 durch die IBA Thüringen zog das IBA Team im Frühjahr 2018 dauerhaft und als erste Nutzerin von den bisherigen Büroräumen in Weimar in den Eiermannbau Apolda. Zuerst wurde gemeinsam im Saal gearbeitet, im Oktober 2018 bezog die iBA Thüringen das selbst entworfene und mit Gewächshäusern ausgebaute IBA Büro im 2. Obergeschoss des Eiermannbaus. Das IBA Büro ist ein experimentelles Pilotprojekt für das einfache Bauen. Durch Selbstbau, neue Standards in Nutzungsart und -intensität sowie einem konsequenten Haustechnikkonzept ist es für das IBA Team und seine Besucher schnell zu einem inspirierenden Arbeits- und Veranstaltungsort geworden. Die Haus-in-Haus-Lösung des IBA Büros ist auch ein prototypisches Ausbau- und Nutzungskonzept für den Eiermannbau ingesamt. Ein wichtigstes Ziel der IBA Initiative war es, beispielhaft für weitere Nutzer zu sein. Die IBA Thüringen übernimmt für das Projekt so auch die Rolle der Placemakerin und möchte anderen Mut machen, den Standort in diesem Sinne als Open Factory mit in Nutzung zu nehmen.

Beteiligung, Aktivierung und schrittweise Aneignung als Entwicklungsprinzip

Bis 2023 soll sich die Open Factory in Apolda als neuartiger Arbeits- und Kreativort aus Werkstätten, Ateliers, Büros, Veranstaltungsbereichen und (produktiven) Freiflächen entwickeln und etablieren. Dafür findet auch seit 2016 ein regelmäßiger Beteiligungs- und öffentlicher Aneignungsprozess statt. Seit 2016 findet in regelmäßigen Abständen ‚Eiermann und Freunde’ als niedrigschwelliges Angebot für den Austausch innerhalb der direkten Apoldaer Nachbarschaft und Region statt. Auch Impulse von Außen sind ein wichtiger Baustein der Entwicklung. So lebten, nach dem IBA Campus 2016 mit 26 Beteiligten aus verschiedenen Disziplinen und Nationen, im Sommer 2018 erneut 50 Kreative zwei Wochen lang während zweiten IBA Campus im Eiermannbau. Bei dem 14-tägigen Design-build-Workshop schufen sie Möbel, Übernachtung- und Aufenthaltsangebote für Besucher des Eiermannbaus. 2019 war diese Infrastruktur wichtiger Bestandteil des Kunstprojektes Hotel Egon, bei dem über 300 Gäste aus Nah und Fern im Eiermannbau übernachteten und an unterschiedlichen Veranstaltungsangeboten teilnahmen. Die Staatskanzlei Thüringen förderte sowohl 2018 als auch 2019 den Beteligungs- und Aktivierungsprozess.

Projektsstruktur und Finanzierung für eine ganzheitliche Entwicklung

Bei der IBA Projektentwicklung am Standort Eiermannbau arbeiten die Stadt Apolda, die LEG Thüringen und die IBA Thüringen partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen. Wichtige Voraussetzung für die ganzheitliche Entwicklung der Immobilie war darüber hinaus die Aufnahme in das Bundesprogramm ›Nationale Projekte des Städtebaus‹ im April 2019. Die drei Projektpartner entwickeln in diesem Zusammenhang den Standort Eiermannbau als öffentlichen und nachhaltigen Standort. Die Bundeszuwendung ermöglicht bis 2023 eine umfangreiche Gesamtinvesitition in Höhe von rund 9 Millionen Euro am Standort. Einen wichtigen Investitionsanteil an der Maßnahme übernimmt dabei auch das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft.

Die IBA Projektentwicklung 2020 bis 2023

Im Rahmen der Bundesförderung ›Nationale Projekte des Städtebaus‹ beginnt ab Ende 2020 der gebäudetechnische und räumliche Ausbau des Eiermannbaus. Erst dadurch werden alle Flächen im Haus ganzjährig nutzbar. Auch der Saal, die Dachterrasse und die weiteren Veranstaltungsflächen im 3. Obergeschoss des Eiermannbaus werden in diesem Zuge denkmalgerecht erneuert und für die ganzjährige Nutzung vorbereitet. Zu den gemeinsam von der Stadt Apol­da, der LEG Thüringen und der IBA Thüringen geplanten Maßnahmen der Immobilienentwicklung bis 2023 gehören darüber hinaus ein ganzheitliches Klima- und Resourcenschutzkonzept für die weitere Entwicklung der Immobilie, die Konzeption und Planung sowie erste Pioniernutzungen auf dem zwei Hektar großen Grundstück, die Sanierung des Winkelbaus, die Erneuerung der öffentlichen Straßen-­ und Park­flächen vor der Immobilie sowie der Fußgänger­- und Radfahrerverbindung zum Bahnhof Apolda. Außerdem soll durch die Stadt Apolda ein innovativer und klimagerechter Neubau am Standort realisiert werden.

Bei der Veranstaltung ›Eiermann und Freunde‹ macht die IBA Thüringen gemeinsam mit prominenten Gästen anderen Mut, Leerstand mit Leben zu füllen.
Bei der Veranstaltung ›Eiermann und Freunde‹ macht die IBA Thüringen gemeinsam mit prominenten Gästen anderen Mut, Leerstand mit Leben zu füllen.
Das IBA Initiativ-Projekt ›Open Factory‹ wird vom Bundesprogramm ›Nationale Projekte des Städtebaus‹ gefördert. Im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat nahmen u.a. Rüdiger Eisenbrand, Bürgermeister der Stadt Apolda, Sabine Wosche, Geschäftsführerin der LEG Thüringen, und die IBA Geschäftsführerin Marta Doehler-Behzadi die Förderurkunde entgegen.
Das IBA Initiativ-Projekt ›Open Factory‹ wird vom Bundesprogramm ›Nationale Projekte des Städtebaus‹ gefördert. Im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat nahmen u.a. Rüdiger Eisenbrand, Bürgermeister der Stadt Apolda, Sabine Wosche, Geschäftsführerin der LEG Thüringen, und die IBA Geschäftsführerin Marta Doehler-Behzadi die Förderurkunde entgegen.